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Rüdesheimer Weinberge - 22.09.2011

(R.K.) Am Donnerstag letzter Woche weilte die Wandergruppe „Flotte Socke“ des SV Nieder-Weisel in Rüdesheim/Rhein. Mit der Bahn führte die Fahrt über Friedberg, Frankfurt und Wiesbaden  zu diesem markanten Zentrum des Rheingaus. Die ca.10000 Einwohner zählende Weinstadt des Mittelrheintales ist eine der bekanntesten touristischen Attraktionen Deutschlands und seit 2002  UNESCO-Weltkulturerbe. Neben Siegfrieds Mechanischem Musikkabinett, dem ersten Deutschen Museum für Datenspeicher-Musikinstrumente, dem Mittelelterlichen  Foltermuseum mit seinen zahlreichen Folterinstrumenten,  dem  Spielzeug –und Eisenbahnmuseum gehören die  Drosselgasse und die Altstadt zu den besonderen Kultur-und Sehenswürdigkeiten dieses Ortes. Letztere war denn auch erste Anlaufstation der Wanderer, die sich in einem der typischen Weinlokale bei einem Gläschen Rüdesheimer Wein das Mittagessen munden ließen.


Entsprechend gestärkt machte sich die Gruppe dann auf den Weg zum hoch über dem Rheintal gelegenen Niederwald-Denkmal. Mit der 2005 eröffneten  modernen Gondelbahn ging es über eine Strecke von 1400 Meter hinauf zu diesem einzigartigen zum Gedenken an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 errichteten Monuments. Aus den kleinen zweisitzigen Gondeln genossen die Wanderer den herrlichen Ausblick auf das im Tal liegende Städtchen und die gesamte Rheintalregion mit den Weinhängen. Die kurze Verweildauer in ca.250 Meter Höhe nutzte man zu etlichen Erinnerungsphotos, bevor der anstrengendste Teil der Tagestour bevorstand. Ausgehend vom Aussichtspunkt „Binger Blick“ mit seinem phantastischen Ausblick auf die Stadt Bingen und den Stadtteil Bingerbrück mit der Nahemündung begab man sich auf einen ca. 7 km durch die verschiedenen Rüdesheimer Weibaugebiete führenden Wanderweg nach Assmannshausen. Erster Anlaufpunkt waren die Weinberghänge „Am Drachenstein“, die sich bis in eine Höhe von 280 Meter hinauf erstrecken. Die ca. 48 ha umfassende Fläche ist durch eine sehr steile, nach Süden gerichtete Hanglage gekennzeichnet, auf der neben den typischen Rüdesheimer Rieslingsorten auch Spätburgunder Weintrauben und Trauben der Sorte Müller-Thurgau wachsen. Einige Wanderfreunde ließen es sich denn auch nicht nehmen und überzeugten sich durch kleine Proben von dem Reifegrad und der Süße der Trauben. Unterhalb des „Drachensteins“ führte der im Zuge der in den Jahren 1970-1985 durchgeführten Flurbereinigung entstandene feste Wanderweg zu den  Weinbergen des „Rosenecks“. Wildrosen, Hagebuttensträucher und Schlehenhecken gaben diesem Weinbaugebiet den Namen Rosenhecke. Obgleich die klimatischen Bedingungen dieses Gebietes hervorragend sind und dadurch auch edle Beeren-und Trockenbeerenauslesen gewonnen werden, sind die Erträge auf Grund der steinigen Böden oftmals als bescheiden einzustufen. Die aus den Früchten gewonnenen Weine sind jedoch echte Raritäten und werden von Liebhabern und Kennern sehr geschätzt. Mit dem Weinbaugebiet „Am Schlossberg“ überschritt die Wandergruppe die Grenze zwischen Rüdesheim und Assmannshausen. Ursprünglich umfasste der Schlossberg lediglich die Weinhänge um die Burg Ehrenfels, jener Burg, die im 13.Jh. im Auftrag der Mainzer Erzbischöfe zwecks Erhebung des Rheinzolls errichtet wurde und heute nur noch als Ruine aus den Hängen herausragt. Obwohl der Berg teilweise bis zu 60 %-Neigung aufweist ist er wegen seiner nach Süden gerichteten Lage ein idealer Standort für den Rüdesheimer Riesling. Breite Fahrwege schließen die durch hohe Terrassenmauern gestützten Hänge ab. Raupen und Seilwinden begünstigen heute eine ertragreiche Bewirtschaftung der Felder. Mit dem Weinbaugebiet „Frankenthal“ erreichte die Gruppe nach ca. 2 Stunden den mit ca.1000 Einwohner zählenden Stadtteil Assmannshausen. Dieser Ortsteil zählt zu den bekanntesten Rotweingemeinden Deutschlands und gehört zum Weltkulturerbe des Oberen Mittelrheintales. Er trägt auch die Bezeichnung Rotweininsel der Region. Die Weinlagen von Assmannshausen sind zu 90 % mit Spätburgunderreben bestockt.


Nach einer etwa 20-minütigen Erholungsphase hieß es einsteigen in eines der täglich auf dem Rhein verkehrenden Fahrgastschiffe. Vom Schiff aus eröffnete sich den Teilnehmern nochmals ein Blick hinauf zu den kurz zuvor durchwanderten Weinbergen. Vorbei führte die Fahrt auch am Mäuseturm, einem ehemaligen im 14.Jh.als Wehr-und Zollwachturm auf einer schmalen Rheininsel vor dem Binger Stadtteil Bingerbrück errichteten Bauwerk. Nach Verbreiterung der  Rheinfahrrinne wurde im Jahre 1974 die letzte Funktion als Signalturm für die Rheinschiffe aufgegeben. Nach einer halbstündigen Fahrt gingen die Wanderer wieder in Rüdesheim von Bord. Im Weinlokal des Vormittags tischte man neben einigen Spezialgerichten der Rheingauregion auch einige Fläschchen verschiedener Rüdesheimer Weinsorten auf. Abends hieß es dann für die Gruppe wieder Abschied von der Weinstadt Abschied nehmen. Über Wiesbaden, Frankfurt, Friedberg und Bad Nauheim kam sie wieder wohlbehalten in Butzbach/Ostheim an, nicht ohne zuvor die Qualität dreier typischer Rüdesheimer Weine  durch kleine Proben geprüft zu haben.

Erläuterungen zum Photo :

  1. Das Bild zeigt die Wandergruppe am Treppenaufgang zum Niederwald-Denkmal.
  2. Text und Bild stammen von Reinhard Krausgrill (R.K.)